Was unsere Sprache über die Traditionelle Chinesische Medizin verrät

"Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“, „Jemand trägt sein Herz auf der Zunge“ und „Das geht mir an die Nieren“ - was haben diese deutschen Redewendungen mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu tun? Auf den ersten Blick ist dies schwer zu erkennen, denn die deutschen Metaphern und die TCM entspringen schließlich einem völlig anderen Kulturkreis. Dennoch gibt es einige interessante Zusammenhänge. Dazu müssen wir wissen, dass in der TCM jeweils zwei Organe eine funktionelle Einheit bilden, welche Zuordnungen aus verschiedenen Gebieten, wie zum Beispiel den Sinnesorganen und Emotionen, kennen.


Beginnen wir mit der Leber und Gallenblase, zu deren Funktionskreis die Emotion Wut gehört. Wenn wir unseren Ärger unterdrücken, kommt es in der TCM zu der sogenannten Leberspannung.  Dazu passt, dass verärgerte Menschen in unseren Breitengraden oft gefragt werden, ob ihnen eine „Laus über die Leber gelaufen ist“. 

Bleiben wir bei der Funktionseinheit Leber und Gallenblase und schauen uns den Ausspruch „Mir kommt die Galle hoch“ an. Die Leber hat die Funktion, die Energie, das Blut und andere Körperflüssigkeiten im Körper gleichmäßig und dynamisch zu verteilen. Bei Ärger ist die Leber angespannt, der Gallensaft staut sich und stößt explosionsartig nach oben.

„Die Angst sitzt mir in den Knochen“ - eine ebenso interessante Äußerung, bei der wir den Zusammenhang zur TCM allerdings erst auf den zweiten Blick erkennen können. Dem Funktionskreis der Niere und Blase sind als Gewebe die Knochen und als Emotion die Angst zugeordnet. Damit kann auch erklärt werden, warum wir bei Angst „weiche Knie“ bekommen.

Die positive Emotion Freude zählt zu der Funktionseinheit Herz und Dünndarm. Damit versteht sich der Ausdruck „Mein Herz geht auf“ von selbst. Es heißt nichts anderes, als dass wir uns freuen.  Zudem „bricht unser Herz“, wenn wir verletzt werden und uns damit unsere Freude schwindet. Das zugeordnete Sinnesorgan zum Herz ist die Zunge und daher passt auch die Redewendung „jemand trägt sein Herz auf der Zunge“. Wer gerne über seine Gefühle redet, ist ein offenherziger Menschen. 


Das Grübeln ist dem Funktionskreis Magen und Milz angegliedert. Wer kennt es nicht? Verlieren wir uns in zu vielen Gedanken und Sorgen, „liegen uns diese im Magen“ und uns geht der Appetit verloren. In der TCM wird die Nahrung von Magen und Milz in Energie umgewandelt und nach unten transportiert. Werden Gedanken nicht richtig verarbeitet, schwächen diese den Funktionskreis Magen und Milz und damit das Verdauungsfeuer, so dass die Nahrung nicht gut verdaut wird.

Und was hat es mit der Redewendung „Ich habe die Nase voll“ auf sich? Die Nase gehört als Sinnesorgan zu dem Funktionseinheit Lunge und Dickdarm. Beides sind Körperöffnungen - die Lunge nach oben, der Dickdarm nach unten. Saugt die Lunge mehr auf als der Dickdarm loslassen kann, bringt dies die Lunge in der Nase zum Überlaufen.   

Denkt einmal über weitere medizinische Redewendungen nach und recherchiert nach Zusammenhängen zur TCM. Ihr seid bestimmt erfolgreich!