Mono no aware -

 eine Lebenseinstellung


Von der japanischen Mentalität und Philosophie können wir viel lernen.

Mono no aware  - dies ist ein japanischer Ausdruck, für den es keine eindeutige Übersetzung gibt. Wie so viele japanische Begriffe birgt er eine sprachliche Tiefe, die in der Übersetzung verloren geht. Es geht um die friedvolle Hinnahme der Unbeständigkeit und den Genuss der endlichen Schönheit - ein trauriges und gleichzeitig schönes Empfinden, wenn wir an die Vergangenheit denken.

Alles im Leben hat einen Anfang und ein Ende: Eine Wolke fällt als Regen auf die Erde, ein Stern explodiert und verschwindet im Weltall, und eine Blume verwelkt. Uns wird die Sterblichkeit vor Augen geführt. Dies gibt uns ein Gefühl von Angst und Unsicherheit.

Wie wäre es, wenn wir die Vergänglichkeit akzeptieren und in ihr sogar Positives sehen?  Öffnen wir uns der Realität, finden wir mehr Erfüllung. Lasst uns einmal darüber nachdenken: Warum können wir die ersten Sonnenstrahlen im Frühling so genießen? Weil der Winter so kalt und ungemütlich war. Ein typisches Beispiel ist auch der japanische Kirschbaum. Er ist nicht hässlich, weil er nur zwei Wochen im Jahr blüht. Nein, genau aus dem Grund ist er so wunderschön.

Können wir die Vergänglichkeit nur schwer akzeptieren, sollten wir an Mono no aware denken. Dazu passt das folgende Zitat des Psychologen  Jack Kornfield: „Alles ist so vergänglich wie eine Sandburg. Baue sie, pflege sie, erfreue dich an ihr. Und wenn die Zeit gekommen ist, lass sie los.“
 
Christina Hillenbrand